Meine Messenger Antipathie

Im Laufe der letzten Jahre habe ich eine Antipathie gegen Messenger entwickelt und das, obwohl ich derjenige war, der anno Tobak den Freundeskreis dazu überredete, doch endlich mit der Zeit zu gehen. Möglicherweise ist dies der selbstverschuldete Anfang vom Ende gewesen?! Meine Abneigung richtet sich im Grunde nicht gegen Messenger an sich, sondern gegen das Nutzerverhalten, was manch einer an den Tag legt.

Ungeachtet dessen möchte ich im Vorfeld erwähnen, das ich grundsätzlich kein Freund von Walled Garden Systemen bin und diese nach Möglichkeit vermeide. In puncto Messanger setze ich nicht unbedingt auf Dienste, welche von der breiten Masse bevorzugt werden. Ich fahre mehrgleisig und nutze für mich privat Signal, Threema und XMPP (ChatSecure). Als Informationsquelle muss ich noch auf Telegram zurückgreifen, was ich inzwischen eher ungern mache.

Thema ist jedoch das Nutzerverhalten mancher Mitmenschen. Inzwischen erachte ich einen Großteil der Kommunikation via Messenger, besonders in größeren Gruppen, als hochgradig asozial. Gut, asozial ist auch irgendwo sozial, doch der Nährwert vieler Gruppen ist doch eher dürftig. Jetzt steht es mir natürlich frei, einer Gruppe beizutreten oder eben diese zu verlassen. Von daher bin ich diesbezüglich mal leise.

Doch jeder hat unter seinen Kontakten diese eine Person, dessen Tiefgründigkeit der Mitteilungen sich auf Bildern, Screenshots und Videos beschränkt. Es werden ausschließlich Bildchen mit bekloppten Sprüchen und Zitaten geteilt, weil man selbst schlicht zu hohl ist, etwas Geistreiches auf Papier bzw. in einen Nachrichtentext zu bringen. Diese Personen machen Screenshots von anderer Leuts Nachrichten, um diese zu teilen, statt die ursprüngliche Nachricht einfach weiterzuleiten. Und diese Personen finden in der Tat zu jeder Lebenslage ein beschissenes Video, welches natürlich unbedingt verbreitet werden muss.

Es ist jetzt nicht, so dass ich gänzlich gegen den Versand von Medien bin. Jedoch bin ich gegen trivialen Firlefanz zu jeder Tages- und Nachtzeit. Genauso wie ich gegen diese trendige Absonderlichkeit bin, alles mittels Sprachnachricht kommunizieren zu wollen. Wenn man beispielsweise im Auto sitzt und die Freisprechanlage nutzt, um mitzuteilen, das man sich auf die Socken macht, denke ich, das ist ok. Versucht jemand jedoch, einen Dialog via Sprachnachricht aufzubauen, fasse ich das als nervig auf.

Wer mehr als bunte Knete unterm Pony sitzen hat, dem dürfte auffallen, das ein Smartphone auch zum telefonieren genutzt werden kann. Worin liegt also der Sinn, wenn man innerhalb von ein paar Minuten, mehrere Sprachnachrichten versendet, anstatt mal eben anzurufen?

Jetzt könnten User dieser Kategorie natürlich anführen, man mache dies so, weil es ja sein könnte, dass der Empfänger grad nicht zu erreichen ist. Er geht vielleicht nicht an sein Telefon, oder antwortet nicht unmittelbar auf Nachrichten und man möchte so vermeiden, das er die durchaus wichtige Mitteilung verpasst. Meiner Meinung nach kann es jedoch vorkommen, dass der Empfänger vielleicht im Moment nicht telefonieren kann oder gar will! Es ist eine neumodische Abart, stets zu erwarten, man müsse möglichst zeitnah eine Rückantwort bekommen, oder gar erreichbar sein. Was soll das? Wie verflucht haben die Menschen das früher nur geschafft?

Man ist ja manchmal im Zwiespalt. Es gibt Menschen, zu denen muss man Kontakt halten, aber man möchte diesen nicht jederzeit haben. Früher habe ich für solche Probanden immer eine sprichwörtliche Arschkarte genutzt. Das war eine prepaid SIM, deren Rufnummer ich an Leute rausgegeben habe, welche mich zwar mal kontaktieren müssen z.B. berufsbedingt, aber die ich nicht immer sprechen wollte. Ich konnte dann bequem steuern, welche Rufnummer mich wann erreichen kann. Heute regel ich das über Satellite von Sipgate. Hier kann man mich anrufen, Nachrichten sind – derzeit – nicht möglich und somit fallen Messenger weg. Eine praktische Lösung und dafür muss ich nicht jedem meine private Rufnummer mitteilen. Also doppelt gut. Gewiss nicht das beste Konzept, aber lieber so als anders.

Wie dem auch sei. Ich habe meinen eStress drastisch dadurch reduzieren können, einfach nicht mehr für jeden, auf jeder Plattform erreichbar zu sein. Das steht sowohl meinen Nerven, als auch dem Akku gut zu Gesicht. Als Lückenfüller für den Verzicht auf diverse Dienste, dürfen gerne ein Anruf oder ganz klassisch die SMS herhalten.

Quelle: Titelbild, CC BY-NC-SA 2.0, Flickr.com

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