Kommunikation in der Corona-Krise

Die aktuell durch Corona verursachte Gesamtsituation, betrifft uns alle. Man möchte mit seinen Lieben in Kontakt bleiben und das möglichst unkompliziert. Dienste, welche Video-Chat anbieten, erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit. Typisch deutsch, wird dabei auf jedweden Datenschutz und Privatsphäre geschissen, weil wir ja alle nichts zu verbergen haben. Dabei gibt es Möglichkeiten, sich auch ohne Daten-Striptease auszutauschen.

Viele Hackspaces bieten ihre Infrastruktur zur Kommunikation an. Das ist wirklich löblich und äußerst nett, denn Walled Garden Systeme, welche derzeit schlicht überlaufen sind, ziehen die Datendrosseln immer weiter an. Neben Messenger-Diensten gibt es diesbezüglich viele prominente Beispiele, die das verdeutlichen.

Zum Beispiel Apple TV, Youtube, Netflix, Disney+, TikTok, PlayStation Network und auch Shadow.

Apps wie beispielsweise Zoom, erfahren aktuell einen großen Zulauf. Klar, sie ist kinderleicht zu bedienen, auf vielen Geräten verfügbar. In puncto Datenschutz und Privatsphäre jedoch eher fragwürdig.

Auszug aus den Zoom Datenschutzrichtlinien:

Unabhängig davon, ob Sie ein Zoom Konto besitzen, sammeln wir gegebenenfalls personenbezogenen Daten von Ihnen oder über Sie, wenn Sie unsere Produkte verwenden oder anderweitig mit Ihnen interagieren. Wir können personenbezogene Daten über Sie in den folgenden Kategorien sammeln:

  • Informationen, die häufig für Ihre Identifizierung verwendet werden, wie z. B. Ihr Name, Benutzername, Wohnadresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummern und andere ähnliche Identifikatoren
  • Informationen über Ihre Arbeitsanstellung wie z. B. Ihre Berufsbezeichnung und Ihren Arbeitgeber
  • Informationen zu Ihrer Kredit-/Debit-Karte oder andere Zahlungsmethoden
  • Informationen zu Ihrem Facebook Profil (falls Sie zur Anmeldung bei unseren Produkten oder zur Erstellung eines Kontos für unsere Produkte Facebook verwenden)
  • Allgemeine Informationen über Ihre Produkt- und Dienstleistungspräferenzen
  • Informationen über Ihr Gerät, Ihr Netzwerk und Ihre Internetverbindung, wie z. B. Ihre IP-Adresse(n), MAC-Adresse, andere Geräte-ID (UDID), Gerätetyp, Art und Version des Betriebssystems und die Client-Version
  • Informationen über Ihre Nutzung oder sonstige Interaktion mit unseren Produkten („Nutzungsinformationen“)
  • Andere Informationen, die Sie während der Nutzung des Service („Kundeninhalte“) hochladen, bereitstellen oder erstellen, wie im Abschnitt „Kundeninhalte“ ausführlicher beschrieben

Wir sammeln diese Daten, um Ihnen die besten Erfahrungen mit unseren Produkten zu ermöglichen. Größtenteils erfassen wir personenbezogene Daten direkt von Ihnen, direkt von Ihren Geräten oder direkt von jemandem, der mit Ihnen über Zoom-Dienste kommuniziert, wie z. B. einem Meeting-Host, einem Teilnehmer oder einem Anrufer. Ein Teil unseres Sammelprozesses erfolgt auf einer automatisierten Basis – das heißt, die Daten werden automatisch erfasst, wenn Sie mit unseren Produkten interagieren. Unter bestimmten Umständen können Sie wählen, ob Sie personenbezogene Daten an Zoom bereitstellen. Beachten Sie jedoch, dass Sie möglicherweise keinen Zugriff auf bestimmte Optionen und Dienste haben, wenn diese personenbezogene Daten erfordern, die Sie nicht bereitgestellt haben. Sie können bestimmte Einstellungen vornehmen, um die Menge der automatisch von uns erfassten personenbezogenen Daten zu reduzieren, z. B. indem Sie optionale Cookies in den Einstellungen Ihres Browsers deaktivieren oder indem Sie unseren Link „Cookie-Einstellungen“ unten auf der Zoom-Homepage verwenden.

Darüber hinaus können wir Daten über Sie von Benutzern erhalten, der Zoom verwendet. Beispielsweise kann ein Benutzer Ihre Kontaktinformationen eingeben, wenn Sie zu einem Zoom-Meeting oder einem Zoom-Anruf eingeladen werden. Ebenso kann ein Host für ein Zoom-Meeting ein Zoom-Meeting aufzeichnen und die Aufzeichnung auf unserem System speichern. Entscheidet sich der Host eines Zoom-Meetings ein Meeting aufzuzeichnen, ist diese Person dafür verantwortlich, vor der Aufzeichnung eines Meetings die erforderliche Zustimmung von Ihnen einzuholen. […]

Klar, in Zeiten wie diesen hat man andere Probleme als Datenschutz. Aber irgendwann sind diese Zeiten hoffentlich vorbei, dann könnte ein Unternehmen, mit den in dieser Zeit angesammelten Daten auch etwas anderes anfangen. Ich möchte jetzt nichts mit der Alu-Mütze auf dem Kopp verteufeln, aber ich möchte zum Denken anregen. Immerhin hat niemals jemand daran geglaubt, dass unser Straßenbild zu später Stunde an »The Walking Dead« erinnern könnte, oder Zustände wie in »Contagion« vorherrschen. Die aktuelle Situation zeigt deutlich auf, dass auch undenkbare Dinge eintreffen können und uns alle ereilen. Wie dem auch sei, denkt einfach mal über derartige Entwicklungsmöglichkeiten nach.

Hier soll es nichtsdestotrotz um Alternativen gehen, deren Verfügbarkeit durch die kostenfreie Bereitstellung vieler Enthusiasten erhöht wird. Beispielsweise stellt die UN-Hack-Bar e.V. ihre Infrastruktur für zur Verfügung und erklärt wie alternative Kommunikation mittels Mumble, Jitsi Meet, CodiMD und etherpad funktioniert.

Da ich im Bekanntenkreis vermehrt gefragt werde, welchen Video-Chat ich denn befürworten würde und ich auch beruflich auf derartige Mittel zurückgreifen muss, möchte ich in diesem Beitrag vornehmlich auf Jitsi-Meet verweisen. Jitsi-Meet ist eine quelloffene Software, die Videokonferenzen mit einem oder mehreren Teilnehmern ermöglicht. Jitsi Meet kann mit einer App unter iOS und Android genutzt werden, wahlweise ohne Installation direkt im Webbrowser. Das Besondere an Jitsi-Meet ist, dass kein Benutzerkonto benötigt wird, was der Datensparsamkeit natürlich entgegenkommt.

Hinweis: Für die direkte Nutzung im Browser verweisen die Jitsi-Meet-Entwicklern auf die Nutzung von Google Chrome bzw. Chromium. Hier treten am wenigsten Probleme aus.

Für die Verwendung von Jitsi-Meet im Browser gibt es einige frei zugängliche Instanzen. Da kein Benutzerkonto erstellt werden muss, ist dies eine super Möglichkeit, eine gewohnte Anwendung zu nutzen, welche von verschiedensten Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Einige meiner bevorzugten Instanzen, möchte ich hier aufführen.

Mike Kuketz, seines Zeichens Experte in puncto Sicherheit und Datenschutz, stellt nicht nur selbst eine frei zugängliche Instanz zur Verfügung, sondern erklärt in seinem Blog sehr anschaulich anhand einer Kurzanleitung, wie die Nutzung von Jitsi-Meet funktioniert. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle auf entsprechenden Beitrag verweisen.

Bevor man sich nun auf Jitsi-Meet stürzt, um dann eventuell zu entscheiden, dass dieser Dienst nicht der richtige ist, empfehle ich dringend einen Blick in die Kurzanleitung. Es ist unkompliziert möglich, mittels Jitsi-Meet eine Videokonferenz mit bis zu 15 Personen zu führen. Der Zugang zur Konferenz kann durch ein Passwort geschützt werden. Ich nutze diese Möglichkeit inzwischen beinahe täglich problemlos. Auch für Unternehmen, Vereine, Parteien etc. ist Jitsi-Meet eine adäquate Option, im Gegensatz zu teuren Lizenzprodukten. All das, ohne Registrierung und dem damit einhergehenden Verkauf der Seele. In diesem Sinne, vielleicht sieht man sich ja mal. Bleibt gesund!

Quelle: Titelbild, CC BY-NC 2.0, Flickr.com

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