Von Achtung, Anstand und Respekt

Einen Vorwurf, welchen sich jede Generation von den vorherigen Jahrgängen gefallen lassen muss, ist die Behauptung, dass elementare Werte verfallen. Ich denke nicht, dass Ideale wie Achtung, Anstand und Respekt verfallen. Ich denke jedoch, dass diese Begrifflichkeiten im Laufe der Zeit immer wieder neu interpretiert werden. Ich persönlich habe gelernt, diese Begrifflichkeiten in ihrer Bedeutung zu unterscheiden. Daher kommt mir die Galle hoch, wenn beispielsweise ein Neuzeitrocker ohne Motorrad etwas von Respekt schwafelt oder Heranwachsende, welche gestern noch Förmchen tauschten, meinen das Wort Respekt in möglichst vielen Sätzen einbringen zu müssen, weil es die Großen so vorleben. Der Ausdruck Respekt ist für viele Stellvertreterwort für viele Wertvorstellungen geworden. Aber, wie so oft im Leben, kann natürlich auch meine Sichtweise falsch sein?!

„Der bejahrte Murrkopf, welcher fest glaubt, dass in seiner Jugend die Welt viel ordentlicher und die Menschen besser gewesen wären, ist ein Phantast in Ansehung der Erinnerung.“ Immanuel Kant

Was ist Achtung überhaupt?
Es ist meines Erachtens eine ethische Frage. Mir wurde kurz und knapp beigebracht, dass Achtung jedem Menschen gebührt. Punkt. Achtung ist eine gute Sitte, eine Hochschätzung, welche direkt an eine Person gerichtet wird und nicht an deren Leistung, Status, Position, Glauben, Geschlecht, Alter oder gar Hautfarbe. Achtung ist eine Form der Toleranz und Duldsamkeit. So lange mein gegenüber mich achtet, bringe ich ihm dieselbe Wertschätzung entgegen. Achtung entspringt der unverletzlichen Würde des Menschen, welche schon in Artikel 1 des Grundgesetzes festgeschrieben ist. Wenn ich in einem Bus den letzten Sitzplatz belege und eine gesetzte Person zusteigt, biete ich meinen Sitzplatz an. Nicht weil ich der Person meinen Respekt zollen möchte, sondern weil ich sie achte und allem voran anständig erzogen wurde.

„Dinge sind wertvoll, wenn wir sie brauchen können. Ein Schuh ist zum Beispiel wertvoll, wenn er passt und man mit ihm gut laufen kann. Wenn der Schuh kaputt ist und niemand mehr in ihm laufen kann, hat er keinen Wert mehr. Bei Menschen ist das anders: Der Mensch hat immer einen Wert. Auch wenn er krank ist. Auch wenn er nicht arbeiten kann. Wenn etwas immer einen Wert hat, sagt man: Es hat eine Würde. Jeder Mensch ist deshalb wertvoll, weil er ein Mensch ist.“ Immanuel Kant

Was ist dann Anstand?
Anstand ist für mich eine gute Sitte, welche bereits vom Elternhaus gelehrt und geprägt wird. Anstand ist für mich zudem so etwas wie ein Bindeglied, zwischen Achtung und Respekt. Denn, wer keinen Anstand besitzt, bringt seinem Gegenüber meist weder Achtung noch Respekt entgegen. Anstand ist eine gesellschaftliche Verhaltensnorm. Man kann sich einer Person gegenüber anständig verhalten, selbst dann, wenn man diese nicht respektiert. Anstand und Respekt werden häufig verwechselt, gerne auch von älteren Menschen. „Hab mal mehr Respekt!“ Das ist ein Einwurf, welchen nicht nur Klischeegruppen vom Bodensatz der Gesellschaft am liebsten nutzen, sondern auch Oma und Opa gerne in den Mund nehmen. Besonders dann, wenn man – um beim Beispiel mit dem Bus zu bleiben – den Sitzplatz eben nicht anbietet.

Kinder sind ein Spiegelbild ihrer Eltern. Eine Aussage, welche besonders in puncto Anstand sehr oft den Nagel auf den Kopf trifft. Kurz um, war das Elternhaus schon miserabel, ist es die Brut häufig auch. Da ist der sprichwörtliche Apfel nicht weit vom Stamm gefallen, wobei es definitiv Ausnahmeerscheinungen gibt! Daher, immer schön den Anstand wahren!

Was Respekt für mich bedeutet
Für mich ist Respekt die höchste Form der Achtung, gegenüber eines Menschen oder einer Institution. Respekt ist für mich eine Wertschätzung, die Anerkennung für beispielsweise eine besondere Leistung. Besonders jetzt, während der Corona Krise, ziehe ich meinen Hut vor Helfern, welche stellenweise unter erheblich schwierigeren Arbeitsbedingungen, wesentlich längere Schichten schieben, um so der Allgemeinheit zu helfen. Damit meine ich beispielsweise Rettungskräfte, Sanitäter, Krankenschwestern, Ärzte, Altenpfleger, Polizisten, Feuerwehrleute und viele mehr. Deren Arbeit respektiere ich. Sie leisten etwas besonderes, was Anerkennung verdient und hoffentlich auch nach der Krise entsprechende Würdigung in angemessener Form findet.

Nur weil sich jemand vor mir aufbaut und mir gegenüber im Wortlaut Dinge wie „Ey Aldah, hab ma mehr Respekt. Hassu Handy oda Zigarätte dabei?“ von sich gibt, werde ich sicherlich keinen Respekt erweisen. In speziellen Fällen könnte ganz gewiss Panik aufkommen, ganz bestimmt aber kein Respekt. Eher Verachtung, Zynismus, oder gar der Wunsch, Züchtigung zu üben, doch das soll jetzt nicht Thema sein.

Ich werde immer meine Eltern achten und respektieren. Natürlich darf man Widerworte geben und einer anderen Meinung sein. Aber niemals im Leben würde ich mich meinen Eltern gegenüber ungebührend verhalten, sie beschimpfen oder verunglimpfen, nur um meinen Willen zu bekommen. Sie verdienen von mir die höchste Form der Anerkennung, meinen Respekt, und zwar dafür, dass sie meinen ranzigen Arsch am kacken gehalten und mich großgezogen haben. Meine Eltern haben allerdings auch den Anstand, mich nicht mit vorgehaltener Waffe nach meinem Handy zu fragen.

Wieso schreibe ich überhaupt zu solch einem Thema!? Das ist gegebenenfalls bereits zwischen den Zeilen ersichtlich. An dieser Stelle möchte ich das nicht unbedingt breittreten. Das hat immer einen bitteren Beigeschmack, welcher dazu führt, sich erklären zu müssen.

Bitte übt Nachsicht für etwaige Rechtschreib- und Grammatikfehler. Ich habe den Text auf einem iPhone 7 verfasst, da ich meinen Kadaver an diesem heiligen Sonntag nicht von der Couch vor den PC bewegen wollte. 😀

Quelle: Titelbild, Pixabay Graehawk, Pixabay.com

3 Gedanken zu „Von Achtung, Anstand und Respekt“

    • Ähm nein, das bin ich definitiv nicht. Ich frage mich jedoch, wie man auf eine solch blitzgescheite Frage kommt? Höchstwahrscheinlich wegen der Anspielung auf diverse Klischeegruppen? Junger Padawan, eins ist mal gewiss. Egal welche Herkunft. Egal welche Hautfarbe. Egal welche Religion. Egal welches Geschlecht. Egal what the fuck auch immer. Da habe ich keine, absolut null Probleme mit. Ich habe jedoch ein Problem mit Arschlöchern. Besonders mit denen, die mir nichts Gutes wollen.

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