Gefährliches Halbwissen

Es gibt ihn in jedem Unternehmen und niemand arbeitet wirklich gerne mit ihm auf Dauer zusammen. Der Yogeshwar, Exklusivist, Klugredner, Neunmalkluge, Oberlehrer, Krümelkacker, Klugschwätzer, Schlaufuchs, Rechthaber oder schlicht Besserwisser. Wer noch mehr Synonyme für diese Gattung kennt, darf diese gerne in den Kommentaren kundtun!

Aber, ich differenziere Klugscheißer, den klugscheißen ist nicht gleich klugscheißen. Ich zähle mich auch zu den Klugscheißern. Mein Vater hat immer zu mir gesagt: „Wenn du etwas weißt und dir wirklich sicher bist, das es korrekt ist, dann sag es auch. Das ist keine Schande. Aber sei dir sicher und pass auf, wem du was sagst“.

Im Umkehrschluss höre ich mir also oftmals Blödsinn an, aber presche nicht direkt vor, um meinen Schiss zu servieren. Respektive mache ich eine Zwischenbemerkung, sofern die Umstände passend sind. Merke ich etwa, wie ein Kollege an einem Problem verzweifelt, gebe ich Tipps oder helfe ihm ohne Gefasel. Schließlich möchte ich niemanden bewusst bloßstellen oder das Gefühl vermitteln, ich würde jemanden für dümmlich halten. Leider läuft man heutzutage schnell Gefahr, eben diese Auffassung bei Mitmenschen zu schüren. Schlag auf Schlag wird dann der ursprünglich gute Wille zu einer Unterstellung umgemünzt. Daher höre ich erst gerne zu und beiße mir auf die Zunge, selbst wenn ich helfen könnte.

Bekomme ich wiederum mit, wie ein Klugscheißer völligen Firlefanzerei von sich gibt, lasse ich ihn reden, sofern sich daraus kein Manko zu meinen Lasten ergibt. Eines Tages disqualifiziert sich ein Klugscheißer durch seinen Bullshit, denn dann reicht es nicht mehr zu labern, dann muss er auch liefern! Mich persönlich würde ich als eher zurückhaltend bezeichnen. Wenn es darum geht, meine Meinung zu vertreten oder mir Luft zu machen, dann kann ich jedoch sehr … nennen wir es – temperamentvoll – sein.

Aber hey, Vulgarismus ist ein rhetorisches Stilmittel und gewissermaßen die Sprache des Volkes. Meine Bildung basiert nicht auf Treffer der Google-Suchergebnisse, sondern auf Erfahrungen von der Straße, dem Schulhof, aus Kneipen und dem Umgang mit diversen Subkulturen. Einflüsse aus Studium und Berufsausbildung haben zu einer gewagten, zugegeben teils leicht entzündlichen Mischung beigetragen. Aus sozialanthropologischer Sicht jedoch pflege ich kulturelle und soziale Vielfalt. Mir sind Rasse, Geschlecht, Religion, Herkunft, Alter, Sexualität und sonstiger Bullshit völlig egal. Fakt ist, dass mir Arschlöcher schlicht auf den Sack gehen, da ist kein Platz für Belanglosigkeiten. Im Grunde bin ich demzufolge schon tolerant, weltoffen, fair, gleichwohl sehr direkt. Ich behaupte aber auch nicht, ich sei sozialkompatibel, allwissend und erst recht nicht makellos. Aber gut, so viel zu meiner Person, weiter im Text.

Die andere Sorte Klugscheißer stürmt nicht nur vor, wenn sie glaubt, unbedingt etwas sagen zu müssen. Diese Spezies mischt sich ungebeten in jede Unterhaltung ein, selbst dann, wenn diese einen Raum weiter geführt wird. Oftmals handelt es sich um Pedanten, welche ihr Allgemeinwissen in der Hosentasche mit sich führen. Während sie im Redeschwall versuchen Mitmenschen von solidem Fachkenntnissen zu überzeugen, wird das Smartphone ausgepackt, um parallel anhand von Google-Suchergebnissen, ihren Auswurf zu untermauern.

Sofern die gefundenen Suchergebnisse das zuvor gesagt nicht vollends reflektieren oder der genötigte Gesprächspartner den Einwurf des Klugscheißers revidieren kann, präsentiert sich eine weitere, signifikante Beschaffenheit vieler Schwätzer. Sie nehmen dann eine Ja-Aber-Haltung ein, um Einwürfe anderer abzuwürgen. Man ist ja schlussendlich kein waschechter Klugscheißer, wenn man Gegenargumente zulässt. Genauso wenig lässt es diese Gattung Schlaufuchs zu, sich von anderen in Kenntnis setzen zu lassen. Sie nehmen sich einfach nichts an und sollte das doch mal der Fall sein, so wird die neu erworbene Sachkunde dem nächsten „Dummen“ als solide Fachkenntnis verkauft.

Wie bei den Sophisten wird von solchen Menschen ein großer Teil des Wissens nur geschauspielert. Einer sachbetonten Entgegnung, in deren Verlauf sie ihre angebliche Kenntnisse zwangsläufig vorzeigen und prüfen lassen müssten, entziehen sie sich konsequent durch Rabulistik. Es wird auf rechthaberische Weise argumentiert, der wahre Sachverhalt verdreht und durch das Einbringen von diskussionsfernen Aspekten und Spitzfindigkeiten die eigene Position vertreten. Leider bleibt ein solches Schauspiel lange Zeit verborgen. Doch irgendwann kommt der Stichtag, der Tag an dem auf schöne Worte auch Taten folgen müssen. Konfuzius sagte: „Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.“

Der Lorbeer anderer und der Hochmut sind ebenso gefährlich wie Halbwissen. Besonders in Branchen, in denen Schicksale oder gar Leben eine Rolle spielen, sollten auch Klugscheißer ihren Narzissmus auf ein angemessenes Maß zurückfahren, denn meist geht es nicht um ihre Person.

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