Sind alle Tiere gleich?!

Liebes Tagebuch. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist schwierig gewisse Sachverhalte so zu verschriftlichen, dass neutrale Personen diesen folgen können. Ich möchte dessen ungeachtet den Versuch starten, eine Causa anschaulich zu skizzieren, um ein Werturteil meiner Person verstehen zu können.

Nachfolgende Annahme soll dabei zur Schilderung der Sachlage dienen. Wir nehmen an, ich bin als Teil eines Teams von 18 IT-Fachkräften in einer Fachabteilung tätig, welche dazu da ist, gemeinsam eine unterstützende Zuarbeit zu leisten, mit der sich anschließend Mitarbeiter beschäftigen, die nicht technikaffin sind.

Fortbildung, Urlaub oder Krankenstand sorgen immer wieder dafür, dass Teammitglieder nicht zugegen sein können, was völlig normal ist. Damit die gemeinsame IT-Unterstützung dennoch gewährleistet werden kann, hat jedes Teammitglied Zugriff auf die Ressourcen – Computer & Dateien – des Anderen. Dazu wird ein einheitliches Kennwort genutzt, welches nur diesem Team bekannt ist. Fällt also ein Teammitglied etwa durch Krankheit aus, kann seine bereits begonnene Arbeit von jemand Anderen abgeschlossen werden und sollte eine bereits abgeschlossene Arbeit noch nicht gesteuert worden sein, kann dies im Nachgang ebenfalls erledigt werden.

Es ist demnach eine sinnvolle Praxis, um Geschäftsprozesse nicht aufgrund unplanmäßiger Gegebenheiten – wie dem Ausfall durch Krankheit – stocken zu lassen. Ich hoffe, verständlich erörtert zu haben, wie die ungefähre Sachlage aussieht, welche bis hier als Background dienen soll?!

Wer den Alltag als Büroangestellter, Bürohengst, Schreibtischtäter, Sesselfurzer, Aktenhengst, Kaffeschubse, Papierstau-Entferner und insbesondere als Techspeech labernder Tastenhengst kennt, der weiß wie erfrischend klassische Büroscherze sein können. Neue und alte Kollegen werden gerne auf die Schippe genommen, um ein wenig Witz in den Alltag zu bringen oder das Eis zu brechen.

Da wird der Sensor einer Computermaus mal mit Klebestreifen abgedeckt. Es werden einzelne Tasten der Tastatur vertauscht. Ein Screenshot des Desktops dient als Hintergrund, während alle Icons ausgeblendet werden. Die Systemsprache wird auf Mandarin gesetzt. Die Verzögerungszeit des Bildschirmschoners wird auf eine Sekunde festgelegt. Eine zweite Tastatur sorgt für geisterhafte Eingaben. Ja, grad bei uns ist es auch schon vorgekommen, dass Mitarbeitern das komplette Büro umgestaltet wurde, nebst Anstrich. Ein bisschen Spaß muss einfach sein und ist auch in Ordnung. Beispielsweise hat mich ein bewusst falsch beschrifteter Dongle mal verzweifeln lassen und auch dank ausgetauschtem Desktop konnte ich schon zur Belustigung von Mitarbeitern beitragen.

Aber Obacht! Quod licet Iovi, non licet bovi – wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Dummerweise gibt es Umstände, in denen mit zweierlei Maß gemessen wird. Mir wurde erklärt, dass ein solcher Umstand Anlass dafür ist, dass Teammitglieder vom einheitlichen Kennwort abgewichen sind.

In zwei Fällen von Abwesenheit eines Kollegen, habe ich mich dazu erdreistet, deren Zuarbeit wie üblich weiterzusteuern zu wollen. Dies war mir jedoch nicht möglich, da ich mangels korrektem Kennwort nicht an die benötigten Daten gelangen konnte. Dadurch ist es natürlich auch nicht möglich, die brachliegenden Rechenkapazitäten des ungenutzten Systems für andere Tätigkeiten zu verwenden.

Nachdem ich ein weiteres Mal aufgrund geänderter Passwörter keinen Zugriff auf ein System erlangen konnte, habe ich mich daher via E-Mail, an das Team gewandt und gefragt, ob wir uns nicht mal auf ein einheitliches Kennwort geeinigt hatten?! Diese E-Mail blieb genauso unbeantwortet, wie die gezielte Nachfrage nach dem korrekten Passwort.

Nun haben wir innerhalb des Teams einen Vortänzer, welcher die Informatiker allgemein im Blick hat und für die Priorisierung von Aufgaben verantwortlich ist. Er macht einen guten Job und dient auch als Ansprechpartner des Teams, sowohl für die Teammitglieder, als auch für andere Mitarbeiter des Unternehmens, welche Unterstützung durch die IT erfahren wollen. Dieser Kollege ist intern die Schnittstelle zum Abteilungsleiter, bekleidet offiziell jedoch keine leitende Position im Unternehmen.

So ergab es sich, dass mir vom Vortänzer auf Nachfrage eröffnet wurde, Kollegen seien vom einheitlichen Passwort abgewichen, um Späße wie das Austauschen des Desktop-Hintergrunds durch meine Person zu unterbinden. Dies habe ich wohlgemerkt in vier Jahren Betriebszugehörigkeit nun satte zwei Mal gemacht, schließlich wurde es auch von anderen Kollegen praktiziert und das unter anderem auch bei mir. Ich ging daher davon aus, es ist ein vertretbarer Spaß. Vertretbar ist dieser Spaß jedoch nur, wenn er am richtigen Maß gemessen wird und die für mich bereitgelegte Messlatte, scheint andere Dimensionen zu haben.

Ich habe darauf hingewiesen, das man mir dies auch hätte sagen können, anstatt das Thema auch nach einer E-Mail an das gesamte Team – ohne Reaktion – totzuschweigen. Auch habe ich darauf hingewiesen, dass dieser Umstand natürlich zur Störung üblicher Abläufe führt, beziehungsweise führen kann, wenn man als Folge dessen einem Mitarbeiter nicht behilflich sein kann. Meine Empfindung in Bezug auf den Umstand, dass ganz offensichtlich Unterschiede zwischen den einzelnen Teammitgliedern gemacht werden und dies nicht in Ordnung sei, wurde vom Vortänzer, welcher die inoffizielle pseudo Führungsperson der Fachgruppe darstellen soll, wie folgt begründet. Ein O-Ton, welcher enttäuscht.

„Otti, Du hast recht mit dem, was Du sagst. Du sollst wissen, wir alle schätzen Deine Fachkenntnis wirklich sehr. Wirklich. Aber naja, wie soll ich es sagen. Du bist halt … anders.“

Tja, George Orwell hat bereits 1945 in Farm der Tiere (Animal Farm) trefflich festgestellt „Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.“ Derartige Aussagen von Leuten, die gerne Führungskraft spielen, sind sehr desillusionierend. Und während man aufgrund dieser Ungleichheit ein Unwohlsein verspürt, weil man Teil eines Teams ist, welches zwar Wissen schätzt und anzapft, jedoch nicht den Menschen dahinter achtet, wir man vom tatsächlichen Chef gegenüber Dritte noch als Diva betitelt. Das ist dann zum Tiefschlag des Vortänzers, ein Arschtritt dazu.

Bin ich also wirklich eine Diva?! Oxford Languages definiert eine Diva wie folgt.

Substantiv, feminin [die]
1. gefeierte Sängerin, [Film]schauspielerin [die durch exzentrische Allüren von sich reden macht]
„Marlene Dietrich, die große deutsche Diva“

2. jemand, der durch besondere Empfindlichkeit, durch exzentrische Allüren o. Ä. auffällt.
„der Parteivorsitzende hat sich zu einer richtigen Diva entwickelt“

Wenn ich also empfindlich auf die Aussage des Vortänzers reagiere, welcher mich mit „Du bist halt … anders“ umschreibt und dadurch gewisse Dinge rechtfertigt, ja … dann bin ich eben eine Diva. Welche exzentrischen Allüren stellt dann die kommentarlose Änderung von Passwörtern dar, welche ungeachtet dessen für den Arbeitsfluss hinderlich sein können? Ist dieser Schritt nicht eine besonders empfindliche Reaktion?

Diva oder nicht Diva, das ist hier die Frage. Diese Fragestellung lasse ich mal bis zu meiner nächsten Suade im Raume stehen, in welcher ich das Thema Vertrauen aufgreifen möchte.

1 Gedanke zu „Sind alle Tiere gleich?!“

  1. Als stiller Leser verfolge ich deinen Blog nun eine Weile. Ich finde die Texte großartig. Ungeachtet der Probleme finde ich deinen Stil einfach sehr erheiternd. Es sieht danach aus, als hätte sich eine Gruppe gegen dich verschworen. Das kenne ich selbst aus unserem Büro. Ducken, ruhig weiter arbeiten und etwas Zeit vergehen lassen, kann solche Probleme beheben. Der Vortänzer scheint jedoch keine wirklichen Führungsqualitäten zu besitzen, wenn er dir zwar zustimmt, das Problem jedoch nicht angeht, weil du ja anders bist. Professionelle Neutralität und ein objektiver Blick scheinen dort zu fehlen.

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