Wahrheit oder Pflicht?

„Um Feinde zu bekommen, ist es nicht nötig, den Krieg zu erklären. Es reicht, wenn man einfach sagt, was man denkt!“ Das pflegte Martin Luther King zu sagen. Was für eine Diva. Ts ts ts. Inzwischen fühle ich mich in meiner Rolle als Primadonna eigentlich pudelwohl. Tatsächlich ermöglicht mir dieses Brandzeichen, diverse Allüren überhaupt erst an den Tag legen zu können. Ist man erst einmal abgestempelt, kann man sich auch entsprechend ausleben, ne wonich?!

Trotz alledem möchte ich gerne exponieren, wie es nur dazu kommen konnte, dass ich die Starallüren und das Gehabe einer Diva adaptiere. Wenngleich mir echt noch immer nicht ganz klar ist, wieso meine Denke und mein Missmut als eine besondere Empfindlichkeit dargestellt werden?! Sachverhalte werden gerne aus dem Kontext gerissen, in ihre Bestandteile atomarisiert, um jeden dieser Bestandteile als eigenständiges Päckchen zu verkaufen, anstatt das Gesamtpaket zu vermarkten. So betrachtet könnte man meinen, ich würde mich an lediglich einer Kleinigkeit aufhängen. Doch weit gefehlt, daher nun ein ergänzender Einblick zum letzten Wortbeitrag.

Zur Erinnerung. Ich bin also dahintergekommen, dass an der Arbeitsstätte bezüglich meiner Person mit zweierlei Maß gemessen wird. Der letzte Beitrag ist dazu lediglich ein Beispiel von ein paar derart gelagerten Gegebenheiten. Meine Sachkenntnis wird zwar anerkannt, doch da ich laut Auffassung eines Drehstuhlbeschwerers eben anders zu sein scheine, ist dieser Umgang mit mir berechtigt.

[IRONIE] Also ist dies noch lange kein Grund für mich, die Allüren einer Diva an den Tag zu legen, denn wenn das Chefzäpfchen eine ungerechte Behandlung – im Fachjargon auch Diskriminierung, genauer gesagt individuelle Diskriminierung – derart legitimiert, dann ist das auch ok. Es ist ok, weil ich eben anders bin! [/IRONIE] Ein Totschlagargument. *Beifallklatschen*

Sofern meine Anschauung nicht vollkommen überzogen ist, glaube ich, dass durchaus nachvollziehbar sein könnte, dass ich unter gegebenen Umständen den Weg ins Büro derzeit nicht all zu gerne antrete. Auch das vor dem Hintergrund, welchen ich nun aufgreifen werde.

Wie bereits am 31.12.2020 geschrieben, ist der COVID-Kelch nicht an mir vorbeigegangen. In der Zeit vom 17.12.2020 bis 07.01.2021, habe ich mich gemäß §30 des Infektionsschutzgesetzes vom 18. Dezember 2020 in Quarantäne befunden. Diese Quarantänemaßnahme wurde auf das Maximum von 21 Tagen durch das Gesundheitsamt ausgedehnt, da ich tatsächlich starke Symptome gehabt habe, an deren Folgen ich heute noch immer leide. Diese Symptome habe ich mir nicht nur eingebildet, sie wurden in der Tat von Medizinern testiert.

Aufgrund der starken und typischen Wehwehchen bin ich bis einschließlich 08.02.2021 krank Zuhause verblieben. Mir wurden nach einem CT attestiert, ich habe stark ausgeprägte, subpleurale Milchglasinfiltrate, welche dringend verdächtig auf eine COVID Infektion sind. Ich bin kein Arzt, aber was dies bedeutet, spüre ich täglich. Ich bin ständig müde, mir geht unheimlich schnell die Puste aus, ich bin schlicht ermattet.

Aufgrund dieser Feststellung bin ich zur Kontrolle und zwecks Beobachtung stationär aufgenommen worden. Jeder, der in Zeiten der Pandemie ein Krankenhaus besucht hat, dem ist sicherlich aufgefallen, das die dortige Organisation desaströse Züge aufweisen kann. Für mein dafürhalten völlig nachvollziehbar und den Umständen der Seuche geschuldet. Da ich zwischen zwei Einrichtungen unterschiedlicher Standorte wechseln musste, welche aufgrund von Corona kooperieren, ist es zu einer Fatalität gekommen, welches mir übel angerechnet wird.

Meine lieben Arbeitskollegen, wollten mir nämlich eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen, da ein Besuch wegen „dieses Corona“ nicht möglich war. Ich persönlich finde, das ist eine sehr schöne und feine Geste, über welche ich mich unheimlich gefreut hätte. Eine Schachtel Pralinen machte sich auf den Weg zur Klinik. Doch dort wurde dem Überbringer mitgeteilt, ich sei gar nicht dort. OMG! Der Typ – also ich – hat demnach gelogen! Der ist ja gar nicht im Krankenhaus! Wahrscheinlich auch nicht krank?!

Weder dem Boten, noch meinem Abteilungsleiter ist es in den Sinn gekommen, dass es aufgrund der Umstände, welchen wir uns allen bedingt durch die Pandemie beugen müssen, zu einem Fauxpas gekommen sein könnte. Hätte man sein Mobiltelefon bemüht und mich einfach mal angerufen, so hätte die Situation innerhalb weniger Minuten geklärt werden können, denn natürlich war ich in der Klinik zugegen. Der Informationsfluss beider Einrichtungen hing einfach ein wenig hinterher. Ich wurde am späten Donnerstagnachmittag aufgenommen. Am Freitag sollten mich die Pralinés erreichen, doch die Information zu meinem Aufenthalt ist am frühen Freitagmorgen schlicht noch nicht kommuniziert gewesen.

Am darauffolgenden Montag wurde ich am frühen Vormittag aus dem Klinikum entlassen. Das ist der 01.02.2021 gewesen. Ich bin von dort zu meiner Krankenkasse gefahren, um Unterlagen zu übergeben. Es ging im Anschluss direkt weiter zum Hausarzt. Dieser hat mir im Vorfeld zu einer Reha geraten und wir wollten das Vorgehen diesbezüglich unter Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse abstimmen. Pflichteifrig habe ich nach diesem Besuch meinen Abteilungsleiter kontaktiert. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass mich am vorangegangenen Freitag Schnuckelzeugs der Kollegen erreichen sollte.

Der Abteilungsleiter konfrontierte mich also mit der Tatsache, dass es zu einem erfolglosen Zustellungsversuch einer kleinen Aufmerksamkeit gekommen sei, was ich selbstredend sehr bedauert habe. Mir wurde unter die Nase gerieben, ich sei ja gar nicht im Krankenhaus gewesen. Durch die Blume hieß es dann. „Du hast doch sicher eine Aufnahmebescheinigung vom Krankenhaus, oder?“

Diese Aussage konnte ich im ersten Moment nicht wechseln, denn im Umkehrschluss bin ich aufgefordert worden, meinen Aufenthalt durch Vorlage einer Bescheinigung nachzuweisen. Ich war daher sehr perplex und geknickt.

Ich habe den Abteilungsleiter darauf verwiesen, dass ich mich nicht erklären müsse, denn die dem Brötchengeber attestierte Arbeitsunfähigkeit sei ausreichend. Meinen Arbeitgeber, hat weder ein Befund zu interessieren, noch wann ich wie und wo, bei welchem Arzt gewesen bin. Das ist Privatsache. Was ich aus freien Stücken kommuniziere, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Und wenn ich dies dem Brotgeber nicht mitteilen muss, dann erst recht nicht einem Abteilungsleiter.

Meine Unterlagen waren ja nun schon bei der Krankenkasse abgegeben. Also schickte ich dem Abteilungsleiter trotz alledem ein Foto des Befunds der Radiologie. Dieser bescheinigt nicht nur meinen dortigen Besuch, sondern auch, dass ich tatsächlich aufgrund von Corona erkannt bin. Daraufhin ruderte der Abteilungsleiter ein wenig zurück und teilte mir mit, ich solle vergessen, was er sagte, er bräuchte die Bescheinigungen nun nicht mehr.

Aber was wäre ich für eine Diva, wenn ich ihm diese nicht trotzdem zukommen lassen würde, zumal ich sie bereits extra angefordert hatte. Noch am selben Tag habe ich ihm ein Attest vom Hospital zukommen lassen. Anschließen natürlich auch eine Attestierung des Klinikums. Ihm liegen nun ein Befund und zwei Bescheinigungen vor, sowie drei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und zwei Mitteilungen des Gesundheitsamts. Sollte ausreichend sein, oder?

Das Klinikum fragte mich, wieso ich denn noch eine Bescheinigung benötige, da mich die Ausfertigung satte fünf Euro kosten würde. Ich erklärte die Situation und teilte mit, dass es aufgrund der Panne zu einem Irrtum gekommen sei, welcher mich beim Arbeitgeber auflaufen lies. Dafür hat sich die Klinik umgehend bei mir entschuldigt. Der Abteilungsleiter jedoch noch nicht. Der Umstand wird totgeschwiegen, wahrscheinlich auch, weil er ein gefundenes Fressen für Betriebs- oder Personalrat wäre. Oder einfach nur, weil ich eben anders bin?!

Nebenbei bemerkt habe ich mich nachweislich am Arbeitsplatz mit COVID infiziert. Welch Ironie! Vielleicht kann man nun nachvollziehen, worauf mein Unmut aufbaut. Es sind keine Allüren einer Diva und ganz sicher ist es keine besondere Empfindlichkeit. Es ist die pure Enttäuschung, die aus mir spricht, für Bauchweh und ein langes Gesicht sorgt. Nachvollziehbar? Nein? Ich hätte da noch etwas im Ärmel, was dem ein Krönchen verpassen würde. Aber vielleicht setze ich dies erst später auf.

2 Gedanken zu „Wahrheit oder Pflicht?“

  1. Ich habe ja erst gedacht du regst dich hier ein wenig viel auf. Aber das geht echt gar nicht. Wo arbeitest du denn? In einer Leihbude oder gar Anstalt? LG aus Hamburg. PS, wieso kann ich hier keinen Link posten?

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    • Irrenanstalt, Tollhaus, Klapsmühle, wie auch immer man es nennen will. 😉 Nein, es ist unter dem Strich nicht alles schlecht. Meine Arbeit ist super und für mich in Teilen auch absolut erfüllend. Auch ist die Mehrheit der Kollegen echt klasse. Doch ein paar Dinge gehen eben auf keine Kuhhaut mehr. Links dürfen nicht gepostet werden, weil ich hier kein Backlink Pool für Profilneurotiker Möchtegern SEO Profis bin.

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